Vor einigen Jahren träumte ich mal den Satz: „Wenn wir loslassen, haben wir die Hände frei, um zu empfangen“. Immer mal wieder muss ich mich selbst an diesen klugen Satz erinnern.

Denn ehrlich gesagt: Ich bin ein Kontroll-Freak.

 

Also muss ich mich intensiv mit dem Thema Loslassen beschäftigen. Was mich daran so fasziniert, ist immer wieder die Erkenntnis, wie wenig ich in Wahrheit tatsächlich kontrollieren kann.

Ich bilde mir manchmal ein, ich könnte, aber ich kann nicht. Und wenn ich feststelle: Ich habe überhaupt nicht die Fähigkeit, all das zu kontrollieren und zu steuern, was ich gerne kontrollieren und steuern würde, dann wird es mir ganz leicht ums Herz. Gott sei Dank. Wenn ich es nicht kann, dann muss ich es auch nicht. Denn dann ist es auch gar nicht so gedacht, dass ich alles kontrollieren soll.

Überleg mal kurz: Du kannst wirklich nicht alles kontrollieren in deinem Leben. Echt nicht.

Wie geht es dir mit dem Gedanken? Macht er dich frei oder unsicher? Und welche Konsequenz hat er für dich? Und: Was glaubst du, dass du kontrollieren kannst und was nicht? Und: Wer hat dann eigentlich die Kontrolle?
Loslassen bedeutet ganz konkret:

Es gilt zu unterscheiden, wann ich gefragt bin, mich auszurichten, zu entscheiden und zu lenken. Und zu wissen, wann sollte ich vertrauen, weich werden, loslassen, tiefer sinken ins Leben. Und bestenfalls kann beides gleichzeitig passieren. Während ich etwas tue oder lenke, kann ich loslassen.

Loslassen heißt nicht, keine Verantwortung zu übernehmen: Es bedeutet nicht, sich vor etwas zu drücken, sich etwas nicht zu stellen, wegzuschauen oder es drauf ankommen zu lassen.

Loslassen heißt das höchste Vertrauen in uns selbst, das Leben und Gott zu investieren. Es heißt, hinzuschauen. Ehrlich zu sein. Voll wach und präsent zu sein und sich gleichzeitig hinzugeben. Es ist nahezu ekstatisch, wenn es die Zustände von Entspannung und Spannung vereint.

Loslassen schließt nicht aus, zu handeln. Es meint nicht: Sitze still und tue gar nichts. Es heißt: Lass dich führen, das Richtige zu tun.

Loslassen ist Liebe. Es beutetet, tiefer einverstanden zu sein mit dem, was für uns vorgesehen ist. Es heißt nicht, sich von etwas abwenden zu wollen, sondern sich zuzuwenden. Egal, was und wie es ist. Denn es ist, was ist, wir können es nicht ändern oder kontrollieren. Wir nehmen Einfluss durch Annahme, nicht durch Abwehr.

Manchmal lasse ich sogar mich selbst los. Das ist besonders schön, weil ich dann spüren kann, wie verbunden ich mit allem bin. Und darin liegt plötzlich der unerwartete Halt. Ich muss mich nicht mehr selbst halten, sondern werde gehalten, dadurch, dass ich in Verbindung bin.

Manchmal lasse ich meinen Partner los. Das ist aufregend, weil ich ihn dann so gut spüren kann. Seine Größe. Seine Schönheit. Seine Bereitschaft, bei mir zu sein und bei mir zu bleiben.

Manchmal lasse ich meinen Beruf los. Das ist ungewohnt. Frei. Offen. Und unglaublich inspirierend, weil ich sehen kann, welche Möglichkeiten und Tore mir offen stehen.

Manchmal lasse ich meine Wünsche los. Das tut unendlich gut. Weil ich dann nichts mehr machen muss. Kein Ehrgeiz mich treibt, keine Idee verwirklicht werden muss und ich einfach ganz still sein kann.

Und wenn wir dann so loslassen und loslassen und loslassen sind wir sicherer, gehaltener, friedvoller und ruhiger, als wir es jemals durch Kontrolle hätten werden können. Wir sind ganz nah am wirklichen Leben, an der Freude, an dem, was Bestimmung ist. Denn wir verhindern nicht mehr, was sein soll. Ich kann dann loslassen, wenn ich weiß, an wen ich übergebe. Bei mir ist das Gott. Und bei dir?

Wir treten beiseite und lassen ein, was kommen möchte. Und so empfangen wir ein Wunder. Zwei Wunder. Drei Wunder. Vielleicht noch mehr. Je weniger unsere Händen bereits an etwas festhalten, desto reicher können wir empfangen, was für uns vorgesehen ist.

Wenn wir loslassen, haben wir die Hände frei, um zu empfangen.

 

Was denkst du über das Loslassen und wo möchtest du loslassen? Ich habe hier einen kleinen Vordruck für dich, damit du dich in der nächsten Zeit liebevoll an deine Loslass- Gedanken erinnern kannst.

Alles Liebe für dich und deinen Weg,
Amira