Es war Herbst und ich 7 Jahre alt. Wir hatten in unserer Küche zu Abend gegessen und während meine Mutter die Küche aufräumte, öffnete mein Vater das Fenster und blickte hinaus. Es war schon dunkel draußen und ein kühler Luftzug wehte in die Küche.

„Papa, du dampfst ja!“, stellte ich überrascht fest.

„Was meinst du?“. Er drehte sich zu mir um.

„Na oben an deinem Kopf. Da dampft ein helles Band aus dir heraus und geht dann nach oben.“

„Ja, wirklich?“. Er fühlte oberhalb seines Kopfes. Er griff wie hindurch, wenn er es erfühlen wollte. Es war ganz filigran und ein bisschen weiss, ein bisschen blau und ein bisschen hellblau. Es leuchtete vor dem dunklen Hintergrund der Nacht und ich fand es wunderschön.

„Siehst du noch mehr, oder nur über meinem Kopf?“ fragte er interessiert.

Ich schaute ihn genauer an. Und dann kam es, dass das Licht begann ihn zu umgeben. Es floß um seinen Körper, eine feine, wunderschöne Schicht, lebendig, fast unsichtbar. Sie sah aus wie flüssiger Edelstein. Und es mündete oberhalb des Kopfes in dieses Band, was bis in den Himmel reichte. Meine Mutter stellte sich daneben. „Habe ich das auch?“ 

Ja, sie hatte es auch. Alle hatten es, wenn ich genauer hinsah. Jeder Mensch war mit dem Himmel verbunden.

Ich probierte es auch mit meiner Katze aus. Bei ihr war es etwas anders und sie hatte das ganze Licht in den Augen. Deswegen leuchteten sie im Dunklen.

Später stellte ich fest, dass die meisten Menschen nicht wussten, dass sie dieses Band zum Himmel haben. Noch später stellte ich fest, dass sie behaupteten, es gäbe dieses Band nicht. Und noch viel später wurde mir klar, dass die Menschen sich nach diesem Band sehnten, auch wenn sie meinten, dass sie keines hätten.

Es war erst schwer für mich zu verstehen, dass Menschen sich nach etwas sehnten, von dem sie meinten, dass es das nicht gäbe. Und ich verstand, dass manche meine Nähe suchten, weil ich von etwas wusste, was sie für sich verloren glaubten.

Bis heute ist es Teil von mir, um die Verbindung zum Himmel zu wissen. 

Laut oder leise. Im Stillen oder mit Worten. Ich erinnere daran, dass es das gibt, wonach sich die Sehnsucht sehnt.

Amira