Kennst du das Gefühl, ganz kurz bevor du abrutschst? Diese keine Milisekunde? Der winzige Moment, wo du die Luft anhältst und noch denkst: „Oh sch….“ und dann macht sich dein Körper schon bereit, möglichst unbeschadet aufzukommen.

Ich kenne diesen Moment auch im Inneren. Ganz kurz, bevor ich wütend werde. Oder traurig. Oder  – und das ist ein Gefühl, was ich echt intensiv finde: Verzweiflung.

Ich habe gelernt, dass dieser Moment, bevor es passiert, unglaublich wichtig ist. Dieser kleine, winzige Moment ist wie ein magischer Schlüssel, den wir nur ganz selten nutzen.

Ich lade dich heute ein, den Mini-Moment mit mir zu erforschen. Ihn sozusagen unter die Lupe zu nehmen. Erinnere dich, wenn du möchtest, an deinen letzten Abrutsch-Moment…

Meine erste Frage an dich ist: Kannst du ihn ausdehnen?

Kannst du den Mini – Moment zu einem Moment machen? Es würde bedeuten, innezuhalten. Das klingt ganz leicht und ist wirklich schwer. Spüre dich mal rein, in so einen Moment, wo du normalerweise gleich fällst, innerlich oder äusserlich. Und jetzt drücke auf Pause.

Uff. Anhalten. Fühlt sich an wie eine Vollbremsung? Ist auch eine. 

Versuch mal vorsichtig zu atmen. Bring Zeit in den kleinen Moment. Mach ihn größer. Noch größer. Noch größer. So groß, dass du Zeit hast, dich in ihm umzuschauen. Halte die Spannung aus, die vielleicht damit einhergeht, dass du nicht wie sonst direkt reagierst und fällst. Prüfe nochmal, ob du atmen kannst. Geht es?

Meine zweite Frage ist: Spürst du, was in dir vorgeht?

Manchmal geht es alles so schnell, dass wir kaum noch mitbekommen, was in uns abgeht. Wir merken nur, es geht was ab und es fühlt sich irgendwie vertraut und unangenehm an. Wir wollten ja mit der Lupe rangehen und das müssen wir jetzt auch. Mir zeigt die Lupe: Mein Kopf spielt verrückt. Ich habe lauter verrückte Gedanken, die ganz schnell durch meinen Kopf zischen und mir nahezu diktieren, was ich gleich machen/sagen/tun/fühlen soll. Was passiert bei dir? Vielleicht ziehst du dich zusammen? Vielleicht wird es eng in dir und will sich gleich entladen?

Meine dritte Frage ist: Kannst du bleiben?

Das hat jetzt – für mich – auch etwas mit Disziplin zu tun. Denn es bedeutet, sich „nicht gehen zu lassen.“ Damit meine ich nicht, die Gefühle wegzudrücken, die da sind. Die sind ja da. Aber du musst dich nicht wegspülen lassen. Du bleibst da und bleibst da und bleibst da. So wie ein Fels in der Brandung und das Meer der Gefühle bricht sich daran. „Sich nicht gehen zu lassen“, ist hier ganz wörtlich gemeint. Du gehst nicht weg. Du bleibst. Mit dir. Verbunden. Bleib einfach. Bleib da. Bleib bei dir.  Bleib so lange, bis das Meer etwas ruhiger wird. Aber gib ihm Zeit. Es ist nicht so schnell. Lass es toben. Lass es so heftig werden, wie es werden muss. Aber lass ihm Zeit. Wir haben den ganzen Mili-Moment. Also hetze es nicht.

Meine vierte Frage ist: Was möchtest du, wie es dir gleich geht?

Inzwischen ist der Moment ja schon eine ganze Weile lang. Je länger ich ihn dehne, desto einfacher wird es. Kannst du das bei dir auch spüren? Es ist gar nicht mehr so wichtig, gleich in die gewohnte Reaktion zu fallen. Lass uns doch die Zeit, die noch bleibt, nutzen. Worum geht es eigentlich? Was möchtest du, wie du dich gleich fühlst, wenn der Moment vorbei ist? Ich glaube, ich möchte nicht verzweifelt sein. Oder jedenfalls nicht so sehr. Ein bisschen verzweifelt sein ist okay.

Ich merke auch, ich möchte Licht. Unbedingt. Das wird ganz wichtig, sobald ich daran nur denke. Ich möchte diesen Funken Freude und Licht, den ich gerade in mir gespürt habe. Und ich möchte wohlwollend sein und verzeihend. Ich möchte eine andere Reaktion, als ich sie von mir kenne. Ich möchte frei sein. ich möchte frei sein, nicht so zu handeln wie sonst. Ich will das wirklich. Ich will es. Von ganzem Herzen will ich es.

Was möchtest du? Was möchtest du wie du gleich reagierst, wenn du frei wärst, so zu reagieren, wie du es möchtest? Was wäre dann wirklich wichtig und für dich richtig?

Zurück

Und schwups, wir sind zurück. Die Zeitlupe ist vorbei. Dein Umfeld, sofern überhaupt noch jemand da ist, hat nichts mitbekommen von deiner inneren Reise. Du kannst jetzt etwas tun. Oder etwas sagen. Aber spürst du, wie anders es plötzlich ist? Mein innerer Abgrund jedenfalls ist weg. Eigentlich alles ok. Hast du auch wieder Boden unter den Füßen?

Komm, dann gehen wir ein Stück gemeinsam. 

Ich vertraue wieder.
Dir. Mir. Der Erde und dem Himmel.

Wir sind stark. Stärker als vorher. Wir haben die Kraft, unser Leben zu verändern.