„Ich möchte mehr von mir selbst zulassen.“

Dieser Gedanke begleitet mich seit einigen Wochen Tag und Nacht. Ich möchte mehr von mir selbst zulassen – in einer Zeit, die einen vor allem dazu verführt, mehr aus sich heraus zu holen. Ich spüre, wie viel dadurch zu mir zurückkehrt. Da ist Freude auf das, was es mir ermöglicht. Aber da ist auch echte Trauer, denn manches von mir habe ich schmerzlichst vermisst. Ich möchte dir davon schreiben, denn vielleicht ist das für dich gerade auch so relevant.

Mehr von dir zuzulassen, anstatt mehr aus dir zu machen. Das hat eine ganz andere Dynamik, es ist eine ganz andere Bewegung und vielleicht spürst du es schon, wenn du diese Worte liest: Es ist sanfter. Liebevoller. Und ehrlicher. Es bedeutet sich selbst anzunehmen. Nicht das, was wir aus uns gemacht haben. Sondern das, wie wir sind. Manchmal ist das ein ganz großer Unterschied.

Es bedeutet also auch loszulassen, wie man gerne wäre. Denn man ist nicht so, wie man gerne wäre. Man ist so, wie man ist. Und dieses „Nicht ganz einverstanden sein mit sich selbst“ ist im Grunde genommen ein ständiger ein Angriff auf sich selbst. Vielleicht sogar ein Angriff auf Gott, denn wir drücken damit ja indirekt aus: „Sorry, aber bei mir hast einen Fehler gemacht, ich müsste eigentlich anders sein.“ Wir versuchen die Schöpfung zu korrigieren, weil wir uns selbst nicht richtig gesehen und falsch beurteilt haben. Das ist der Grund, warum wir uns gerne manchmal anders hätten.

Solange wir uns anders wollen, als wir sind, haben wir uns nicht erkannt.

Das ist nicht schlimm, aber die Energie sollte dann nicht da rein gehen, sich oder die Welt zu verändern, sondern sich zu erkennen. Was wir dafür brauchen ist Hingabe. Sich sich selbst hinzugeben ist wie eine Entfaltung nach innen.

Wir begeben uns damit auf einen Weg, der uns in uns selbst führt. Tiefer als sonst. Vorbei an Bildern und Rollen, die wir in diesem Leben angenommen haben. Noch weiter, weiter. Vielleicht melden sich Ängste und Traumen, die wir verschlossen hatten und die jetzt gesehen werden. Das fühlt sich manchmal wie ein Rückschritt an, aber es ist ein großer Fortschritt. Und es geht noch weiter, um die letzte Biegung. Hinter dir verschwindet das Licht. Du bist in dir drin, nur mit deiner Hingabe an dich selbst und sonst nichts. Wenn du hier sein kannst, es ein bisschen aushältst, diesen dunklen Raum in dir, wirst du spüren, dass du ganz nah mit dir bist. Das du hier bist.Vielleicht spürst du diesen süssen Schmerz, diese brennende Sehnsucht nach dir selbst hier besonders laut. In dem Moment, wo du ganz bei dir bist und mit dir selbst verschmilzt, geht dein Licht an.

Es ist eine Wiedergeburt, sich selbst zu erkennen. Sich zu begegnen. Sich wieder zu lieben. Es ist ein „Sich selbst in sich hinein gebären.“ Hier ist das „sich zulassen.“ Es geht nicht darum, die eigene Kraft dazu zu verwenden, sich zu machen. Höchstens können wir sie verwenden, um uns davon abzuhalten, einzugreifen.

Mehr von sich selbst zuzulassen ist ein tiefes Ausatmen. Ein langes, hallendes JA in der eigenen Tiefe. Und hier fängt das Leben an. Weil wir Gott in uns selbst zulassen. Mehr davon. Mehr davon. So viel, bis wir überlaufen. Bis es aus uns heraus strömt. Einfach nur, in dem wir es zulassen. Still, fröhlich, beglückt und tief berührt von einer Sehnsucht, die sich endlich erfüllt:

Die Sehnsucht nach sich selbst.

Hier sind wir in uns selbst und in der Welt zu Hause. Hier ist Frieden.

Von Herzen,
Amira